Wie seit heute klar ist, gehen die Mannen des 1. Sportverein
Concordia Delitzsch am heutigen Freitag zum Arbeitsamt. Ansich ist
das für die Spieler eine positive Entwicklung, da sie nun zumindest
vom Staat Geld erhalten. Der Verein konnte die Profihandballer seit
April nicht mehr bezahlen. Trainer Uwe Jungandreas wurde nach einem
LVZ Bericht zu den
Ausfällen der Vorbereitungsspielen befragt und sagte: „Es
fallen in Zukunft alle Partien aus. Wir gehen morgen zum
Arbeitsamt. Es gibt keine Rettung mehr. Die neuen Leute haben alles
versucht, leider ohne Erfolg.“
Das Unheil der
Wende
2005 war noch ganz Delitzsch und halb Leipzig in der Euphorie
des Aufstieges in die 1.Bundesliga. Viele glaubten anfangs daran,
dass es nach 1991/92 wieder ein Verein aus der Region schaffen
könnte. Eigentlich hat es im Bundesdeutschen Herrenhandball noch
nie gut ausgesehen für die Westsächsische Region. Zwar gab es in
der Vereinigungs-Saison 1991/92 noch den SC Leipzig in der 1. Liga,
jedoch ging es danach nur noch Berg ab. 1993 nahm der gut situierte
VfB die erfolgreicheren Frauen vom SCL auf, wollte aber die Männer
nicht angliedern. Somit blieb denen nur der einstige Konkurrent des
SC DHfK. Danach kam nicht mehr viel.
Die Wiedergeburt aus
Delitzsch
Viele Sportbegeisterte lechzten 2005 nach Bundesligahandball in
Leipzig. So entschied man sich, die Heimspiele in der 7.000 Plätze
fassenden Arena Leipzg auszutragen. Gut besucht waren die Spiele
jedoch nur zu Beginn der Saison und gegen die großen Clubs aus
Lemgo, Kiel und dem einzigen erfolgreichen "Ost-Klub" aus
Magdeburg. Die Enttäuschung über die Anzahl und der Art der
verlorenen Spiele stellte sich schnell ein. Die Zuschauer blieben
fern, die Einnahmen aus. So ging es nach einem Jahr schon 2006 in
die 2. Liga zurück, wo Concordia bis gestern ansässig war.
Misswirtschaft zwingt in die
Insolvenz
Schon im Mai 2010 schien es, dass sie die Lizenz für die
kommende Spielsaison nicht bekommen würden. Ganze 800.000,- €
Altlasten haben sich mit der Zeit angehäuft. So ist ein Verein
nicht länger zu halten. Nachdem am Mittwoch die Präsidentin
zurückgetreten ist, war schon vielen klar, dass der Profihandball
in der Region pausieren muss. Für wie lange, weiss niemand. Evtl.
schafft es ja der Nachfolger des SC Leipzig, sich irgendwann mal
"dort oben" zu etablieren. Zumindest hat man sich schonmal
moralische Unterstützung geholt. Stefan Kretzschmar, die Kultfigur
des gesamtdeutschen Handballs ist seit 2010 Mitglied im
Aufsichtsrat des SC DHfK. Der Verein selbst, spielt jedoch noch in
der Regionalliga. Mal sehen, ob sie es schaffen können, das
Publikum wieder anzuziehen.